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Ein Fest in Bosnien unter osmanischer Fahne |
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Geschrieben von IHH
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Montag, 17. Dezember 2007 |
Die humanitäre Hilfsorganisation IHH (TR) organisierte auch dieses Jahr zum fünfzehnten Male anlässlich des Opferfestes für unsere Geschwister in den entferntesten Gebieten in hundert Ländern der Welt Opferspenden wohltätiger Menschen, welches wieder einmal Anlass für die Entwicklung einer aufrichtigen Verbundenheit zwischen unseren Geschwistern und unseren Spendern war. Wir als Reisende der IHH (TR) machten uns unter diesem Vorwand und unter dem Motto „Von Istanbul in alle Regionen der Welt“ auf den Weg nach Bosnien. Wie bekannt ist, wurde in Bosnien in den Jahren 1992-1995 vor den Augen der untätigen Welt eine der schrecklichsten Gräueltaten der Menschheit verübt, bei dem 300.000 Bosnier umgebracht wurden.
Bosnien-Herzegowina erstreckt sich über ein dreieckiges, bergiges Gebiet, das durch die beiden Flüsse Sava und Neretva getrennt wird. Da nach dem Krieg bis heute keine Volkszählung durchgeführt wurde, hat man keine eindeutigen Zahlen über die Bevölkerung, die sich etwa aus 44 % Bosniern, 33 % Serben und 17 % Kroaten und anderen Volksgruppen zusammensetzt. Das Land hat zudem eine unstabile politische Struktur.
Die Spuren des Krieges sind in Bosnien heute noch wahrzunehmen. Wir erreichten Sarajewo freitagnachmittags. Die von Bergen umgebene Stadt Sarajewo, durch die ein großer Fluss verläuft, wurde unter den Osmanen gegründet. In Sarajewo machen die Bosnier 80 % der Bevölkerung aus. Vom Flughafen aus bewegten wir uns ins in Richtung Stadtzentrum. Obwohl seit dem Krieg mehr als zehn Jahre vergangen sind, sahen wir unterwegs auf den Häusern und Gebäuden entlang unserer Strecke immer noch die Spuren eingeschlagener Raketen und Maschinengewehre. Während wir weiterfuhren fiel uns eine Schrift auf: „Ein gesegnetes heiliges Fest!“
Halbmond und Stern auf grünem Grund… Dieses Jahr feierte man hier das Opferfest ein Tag früher als in der Türkei. Während man sich in der Türkei am Vorabend des Festes befand, hatten wir hier schon den ersten Feiertag. Das Festgebet war um 08:00 Uhr… Für das Gebet, an dem auch Staatsmänner teilnahmen, gingen wir in die Gazi Hüsrev Moschee. In der Moschee beeindruckte mich besonders der Auftritt einer Gruppe, die islamische Gesänge auf Türkisch vortrug. Man klärte uns darüber auf, dass hier die Studenten in der Medressen-Ausbildung Unterricht in Türkisch erhalten. Die Moschee war so überfüllt, dass viele Leute draußen beleiben mussten…
Nach dem Gebet wünschten wir uns alle einander ein heiliges Fest und gesegnete Feiertage, so auch dem Staatspräsidenten Haris Silayciç und dem Reis ül-ulema Mustafa Çeriç, dem obersten Vertreter der dortigen islamischen Gelehrten (Mufti von Bosnien), und richteten ihnen Grüße aus der Türkei aus. Am Ausgang der Moschee fiel mir an den Minaretten die osmanische Fahne mit Halbmond und Stern auf grünem Grund auf. Als man mir sagte, dass diese Fahne zu jedem Fest auf den Minaretten gehisst wird und auch außerhalb der Feiertage an der Moscheekanzel angebracht wird, reflektierte ich darüber, wie sehr Bosnien zu uns Türken gehört und wie sehr das Land an den osmanischen Traditionen festhielt.
Ruhe in Frieden Aliya Izzet Begoviç! Nach dem Festgebet begaben wir uns zum Kovaçi Soldaten- und Ehrenfriedhof, der vor dem Krieg ein Kinderspielplatz war, und wir besuchten das Grab Aliya Izzet Begoviçs. Nach dem wir für seinen Seelenfrieden Gebete rezitierten, machten wir uns von dort aus auf dem Weg, die Opfertiere zu schlachten.
An der Seite der Vergessenen Die IHH (TR)-Stiftung für Humanitäre Hilfe wurde während des Bosnien-Krieges mit dem Ziel gegründet, den Bosniern zu helfen. Aus diesem Grund hat die IHH (TR) in Bosnien eine bedeutende Stellung. Diejenigen, die das Emblem der IHH (TR) sehen, sagen häufig „Wir haben euch an eurem Emblem erkannt. Ihr habt uns im Krieg Hilfsgüter gebracht.“ Die Organisation anlässlich des Opferfestes wird in Bosnien von drei leitenden Schwestern der Sümeyye Stiftung koordiniert. Dank der freiwilligen energischen Arbeit dieser drei Schwestern ließ sich die Organisation reibungslos durchführen. Die IHH (TR) lieferte für 2.000 Menschen in die entferntesten Orte in sechzehn Regionen Bosniens Hilfsgüter. Die Hilfe, die für die Region etwas außerhalb von Sarajewo geleistet wurde, wo die Menschen kein Strom und Wasser hatten, machte die dortigen Bosnier sehr glücklich und allein ihre Worte verdeutlichen, wie wichtig die geleistete Hilfe war: „Wie habt ihr uns hier gefunden? Man hatte uns hier vergessen. Niemand ist hierher gekommen und hat uns geholfen. Wir leben unter den unmöglichsten Bedingungen.“
Gorajde: Eine nicht eroberte Stadt Eine spätere Reise führte uns nach Gorajde. Unterwegs machten wir in der kleinen Stadt Ragotica Halt. An diesem Ort, wo vor dem Krieg 78 % Muslime lebten, existieren heute nur noch 40 Häuser und während vor dem Krieg zweiundzwanzig Moscheen standen, wurden im Krieg alle durch die Serben vernichtet. Bis schließlich die Stadtverwaltung der Großstadt Istanbul eine Moschee bauen ließ hatten sie keine gehabt. Mit dem Bau dieser Moschee fand auch das Volk wieder Selbstsicherheit. Dass solch eine Hilfe aus der Türkei kam, war für sie besonders erfreulich. Wenn man in Gorajde durch die Straßen zieht, merkt man erst richtig, wie arm die Stadt ist. Die einzige Einnahmequelle des Volkes für die Lebenshaltung ist die Viehwirtschaft, darüber hinaus haben sie keine anderen Mittel und Möglichkeiten.
Die Hilfsaktionen in Bosnien erfreuen die Menschen sehr. Für sie ist das Erfreuliche dieser Hilfstätigkeiten eigentlich nicht die materielle Dimension, sondern die Tatsache, dass diese Hilfe aus der Türkei, aus dem Land ihrer Geschwister kommt. Denn auch die geringste Hilfe, die aus der Türkei stammt, hat in den Augen der Bosnier eine große Bedeutung. |